Getreideernte 2012

Alljährlich schreibe ich hier eine kurze Zusammenfassung der jeweils aktuellen Getreideernte. Die heurige Ernte war ein Ausnahmeereignis in negativem Sinn. Extreme Witterungsverhältnisse während der gesamten Vegetationsperiode ließen bereits Schlimmes befürchten. So gab es Schäden bzw. schlechten Aufgang durch die Trockenheit in Herbst und Winter. Die tiefen Temperaturen Anfang Februar ohne Schneedecke verursachte entsprechende Auswinterungsschäden bei anfälligeren Sorten. Die Trockenheit setzte sich im Frühjahr fort und Ende Mai wurden durch einen extremen Nachtfrost die Kulturen noch einmal geschädigt.
Die Ernte selbst gestaltete sich zu einem Geduldsspiel. Ständige (unergiebige) Regenschauer und Gewitter zögerten den Ablauf auf mehr als vier Wochen hinaus. Unter diesen Umständen möchte ich hier auf die Fortschritte der Saatgutzüchtung hinweisen und wage zu behaupten, dass diese Extreme in früheren Zeiten bis hin zu einem Totalausfall der Ernte geführt hätten. Die Ernteergebnisse waren sehr unterschiedlich. Jeder Schauer bzw. jedes Gewitter während der Vegetation zählte, sodass auf engstem Raum (oft innerhalb einiger hundert Meter Entfernung) die Ertragsergebnisse von fast normal bis katastrophal reichten. Doch nun zu den Kulturen im Einzelnen:

Wintergerste:

Erträge von 4 bis 5,5 to mit durchschnittlichem bis schwachem Hektolitergewicht. Wintergerste wird bei uns fast ausschließlich zum Eigenverbrauch der Landwirte angebaut, es gibt daher keine nennenswerte Marktleistung.

Ölraps:

Extreme Ertragsschwankungen von einer bis über drei Tonnen Ertrag. Die Durchschnittserträge lagen aber durchwegs bei knapp über zwei to/ha.

Sommergerste:

Die Durchschnittserträge bei Sommergerste lagen bei rund 3,5 t/ha. Bei Braugerste gibt es hier gravierende Qualitätsprobleme. Während die Sortierung durchwegs in Ordnung ist (durchschnittlich 85 % über 2,5 mm) sind die Eiweißwerte oft hoch bzw. sehr hoch. Verursacht wurden diese hohen Werte durch die niedrigen Erträge und vor allem durch Zwiewuchs. Der Handel versucht nun eine Anhebung der Höchstwerte für Braugerste zu erreichen, um die Versorgung sicherzustellen.

Körnererbsen, Roggen, Hafer:

In unserem Aufkaufsgebiet nahezu ohne Marktleistung.

Weizen:

Extreme Ertragsschwankungen zwischen über 6 to/ha (Augründe, entspr. Vorfrucht, günstiger Gewitterregen etc.) und unter 2 to/ha (Schotterböden, Rübenvorfrucht etc.). Der Durchschnitt der Erträge lag hier wahrscheinlich bei knapp 3,5 to/ha. Während die Qualitätsparameter Protein, hl Gewicht und Fallzahl zu Beginn der Ernte durchwegs hoch bis sehr hoch waren, begannen vor allem die Hektoliterwerte mit Fortschritt der Ernte deutlich zu fallen. Ursache war, wie bereits zu Beginn erwähnt, das schlechte Erntewetter. In den letzten Erntetagen litten auch die Fallzahlwerte bereits unter den andauernden Verzögerungen. Hier waren aber nur mehr geringe Mengen betroffen, sodass man insgesamt von einer hochqualitativen Weizenernte überwiegend im Premiumsegment sprechen kann.

Durumweizen:

Abgesehen von den geringen Erträgen wurde Durum durch die schlechte Erntewitterung am meisten geschädigt. Durch die extrem niedrigen Fallzahlwerte kann ein Großteil der Ernte nur als Futterweizen verwertet werden.

Gesamtresümee:

Schlechteste Getreideernte seit langem mit großen Schwankungen. Während die Qualitäten bei Weizen sehr gut sind, weist Braugerste oftmals problematische Werte auf. Durumweizen ist größtenteils zur Vermahlung ungeeignet.
Auf Grund der weltweit schlechten Ernteergebnisse weltweit sind die Preisnotierungen für alle Kulturen laufend im Steigen. Preiseinbrüche sind für das laufende Vermarktungsjahr eher unwahrscheinlich, sodass die schlechten Ertragsergebnisse zumindest teilweise durch die hohen Vermarktungspreise aufgefangen werden können.